Fachgespräch Migrationsdienste

Wer berät morgen? Finanzielle Kürzungen in den Migrationsdiensten, kann sich die Gesellschaft den Rückzug der Dienste leisten?

Am 28. September hatte die Arge Freie München zu oben genanntem Fachgespräch in die Räume des neuen Welcome Centers geladen. Rund 80 Personen aus den Verbänden, den Beratungsdiensten und dem KVR nahmen als Zuhörer*innen teil.

Aktuelle politische Entscheidungen und Diskurse gefährden die engagierte und erfolgreiche Arbeit der Migrationsfachdienste. Doch wie würde die Münchner Landschaft ohne Beratung oder psychosoziale Versorgung aussehen? Welche Entscheidungen müssen Träger treffen, wenn sie bei den Angeboten draufzahlen müssen? Was bedeutet das für den sozialen Frieden in der Gesellschaft? Wie kann überhaupt noch eine Integration auf Augenhöhe gelingen?

Unter der Moderation von Grit Schneider, Federführung Arge Freie und stellv. Geschäftsführerin Paritätischer Wohlfahrtsverband, diskutierten gemeinsam:

  • Karl Straub, MdL, Integrationsbeauftragter der Bayerischen Staatsregierung
  • Anette Farrenkopf, Geschäftsführerin des Jobcenters München
  • Jacqueline Schaller, Leitung Kompetenzzentrum internationale Pflege
  • Sevghin Mayr, Prokuristin der Beratungsdienste der Arbeiterwohlfahrt München gGmbH 

Die KVR-Referentin, Dr. Hanna Sammüller begrüßte die Teilnehmenden und betonte, dass es wichtig sei, gerade auch in herausfordernden Zeiten, dass alle Akteure lösungsorientiert bleiben und gemeinsam an einem Strang ziehen. Sie betonte die Wichtigkeit der Migrationsberatung für die Arbeit des KVR in einer Stadt, die von Zuwanderung geprägt sein.

Im Fachgespräch betonten die Teilnehmenden die Wichtigkeit und Notwendigkeit von guter Beratung. Der Integrationsbeauftragte Karl Straub betonte, dass sich in einer Evaluation gezeigt habe, dass die behördenunabhängige Asylverfahrensberatung, die öffentlich immer wieder in der Kritik stand, eine zielgerichtete und faire Beratung sein.  Gleichzeitig müsse anerkannt werden, dass der Bund immer mehr Schulden aufnehmen müssen, um seine Aufgaben finanzieren zu können. Dennoch sei er zuversichtlich, da die Vergangenheit gezeigt habe, dass in den Haushaltsverhandlungen noch immer Veränderungen möglich seien und pragmatische Lösungen gefunden würden. Denn Beratung würde weiterhin gebraucht. Integration sei eine gemeinsame Aufgabe auch wenn das gesellschaftliche Klima aktuell nicht förderlich sei. Deshalb sei es wichtig, positive Beispiele aufzuzeigen um einer einseitigen Berichterstattung und Stimmung entgegen zu wirken.

Die Geschäftsführerin des Jobcenters München, Anette Farrenkopf, bedankte sich zunächst für die guten Kooperationen, die Vorarbeit der Beratungsdienste erleichterten die Arbeit in den Jobcentern, wenn die Klient*innen dorthin kommen. Sie betonte, dass aktuell alle im gleichen Boot sitzen, da auch die Jobcenter weniger Mittel vom Bund zur Verfügung gestellt bekommen und das KVR sicher unter der Situation des kommunalen Haushalts leidet. Digitalisierung könne helfen, Arbeitsabläufe zu beschleunigen, sie könne aber keine Beratung ersetzen. Es brauche eine gelungen Sozialstaatsreform, die dazu führe, dass Beratung einfach wird.

Sevghin Mayr, Prokuristin der Beratungsdienste der AWO, konstatierte, dass Digitalisierung für viele Menschen die Zugänge schwieriger mache und die Beratungsdienste herausfordere. Durch Mittelkürzungen müssten Träger immer stärker überlegen, welche Angebote aufrechterhalten werden könnten. Es müsse aber immer wieder betont werden, dass die Beratungsstellen dazu beitragen, dass die Gesellschaft ihren humanitären Auftrag der Integration erfüllen könne.

Die Leiterin des Kompetenzzentrums internationale Pflege, Jacqueline Schaller, betonte, dass gute Beratung v.a. dafür sorgt, dass Menschen nicht nur in München ankommen, sondern, dass sie auch bleiben wollen. Es gebe für alle Neuankommenden einen ganzen Rucksack voll Themen, wie Familiennachzug oder Spracherwerb, bei denen es für das Kompetenzzentrum wichtig sei, an weiterführende Stellen verweisen zu können. Beratung führe zu sozialer Teilhabe, da Menschen, das System, in dem sie leben, verstehen wollen.

Die Statements aus dem Publikum unterstrichen die Notwendigkeit und Wirksamkeit der Beratungsleistungsdienste zum einen für die persönliche Entwicklung aber auch für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Als zentralen Impuls des Fachgesprächs wird die ARGE Freie einen Brief an die Münchner Bundestagsabgeordneten schicken, damit sich diese für den Erhalt der Beratungsdienste stark machen.

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Kontakt

Arge Freie München
Federführung: Paritätischer Wohlfahrtsverband Bezirk Oberbayern

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